„Spannend wird es immer, weil ich nicht weiß, was mich erwartet!“ – im Gespräch mit Ilhan Coskun

 

Ilhan Coskun bei der Arbeit (privat)

Ilhan Coskun bei der Arbeit (privat)

Mit Laliş Dialog hat Ilhan über seinen Beruf als Kameramann gesprochen und uns erzählt, dass man wenig Zeit hat, da­für aber viele tolle Orte und Persönlichkeiten kennenlernen kann.

Wen Ilhan bei seinem Beruf schon kennengelernt hat und warum Detroit nicht gerade eine Traumstadt ist, erfahrt ihr im Interview.

LALIŞ Dialog: Ilhan Du hast eine Ausbildung zum Medi­engestalter „Bild und Ton“ bei der Bremer TV-Produkti­onsgesellschaft „TVA Nord“ abgeschlossen. Was genau beinhaltet dein Beruf?

Ilhan Coskun: Ja, genau, mei­ne Ausbildung habe ich 2009 begonnen und bin 2012 fertig geworden. Jetzt bin ich als Ka­meramann bei M-medienpro­duktion in Bremen tätig.

Der Beruf des Mediengestal­ters ist vielschichtig, man ar­beitet mit verschiedenen Tech­niken z.B. gehören dazu die Arbeit mit der Kamera, dem Ton und dem Schnitt. Durch diese drei Komponente, der Bildkom­position und der Bildgestaltung entsteht dann der Film.

LALIŞ Dialog: Wie gestaltet sich ein Berufsalltag bei dir?

Ilhan Coskun: Einen richtigen Berufsalltag gibt es nicht, man kann somit seinen Arbeitstag nicht frei gestalten. Es hängt immer von den Dokumentati­onen ab, die ich beispielsweise für Arte, ZDF und NDR drehe. Manchmal müssen wir dann für eine Dokumentation einige Tage ins Ausland. Ansonsten ist vieles spontan, man be­kommt beispielsweise morgens einen Anruf, bildet sein Team und fährt dann los um z.B. In­terviews aufzunehmen.

LALIŞ Dialog: Durch deinen Beruf bist Du schon sehr viel herumgekommen, um nur ei­nige Orte zu nennen London, Dubai, Kairo und Washing­ton. Sieht man neben der Arbeit auch was von den Or­ten?

Ilhan Coskun: Das ist leider nicht immer gegeben, dass man sich nach Feierabend mal was anschauen kann. Wenn ich für einige Tage im Ausland bin, dann versuche ich schon so viel wie möglich von den Orten zu sehen. Bis jetzt hat es immer gut geklappt (lacht), ich habe bisher immer einen Mu­seumsbesuch vorgenommen, man erfährt dabei viele interes­sante Dinge.

LALIŞ Dialog: Was war bis­lang die aufregendste Stadt in der Du warst?

Ilhan Coskun: Aufregend sind die Städte alle auf ihre spezielle Art gewesen. Was mich aber fasziniert hat war z.B. Sibirien, die Natur ist atemberaubend, Klima von -45 Grad Celsius keine Seltenheit und die Le­bensumstände, das ist im Ver­gleich zu anderen Orten was Außergewöhnliches. In Detroit z.B. würde ich nie leben wollen, das ist dort wirklich wie im Film, dass Leute dort in der Öffent­lichkeit eine Waffe tragen ist nichts Besonderes. Ansonsten freue ich mich, wenn ich viel rumkomme und so die Mög­lichkeit habe so einiges von der Welt zu sehen.

LALIŞ Dialog: Während den Dreharbeiten zum Dokumen­tarfilm „Ich Putin“ hast Du auch den russischen Präsi­denten Putin kennengelernt. Wie war dieses Erlebnis für dich?

Ilhan Coskun: Das war na­türlich eines der Erlebnisse, die man nicht vergisst. Es war am Anfang alles sehr fremd, daher hat man sich

Ilhan Coskun mit Russlands Präsident Vladimir Putin (privat)

Ilhan Coskun mit Russlands Präsident Vladimir Putin (privat)

auch eher distan­ziert. Wir hatten immer einen Dolmetscher dabei, obwohl wir diesen nicht gebraucht hätten, Putin kann fließend Deutsch sprechen.

Als wir dort zu den Dreharbei­ten waren, war das in einer sehr brisanten und aufregenden Zeit, die Wahlen in Russland standen nämlich kurz bevor. So hat man relativ schnell gemerkt und gespürt wie viel Macht Pu­tin in Russland hat. Nur um ein Beispiel zu nennen: Wer schon mal in Moskau war, weiß wie die Verkehrslage dort ist, gera­de zur Rushhour ist ein durch­kommen fast unmöglich. Wir sind mal zusammen mit ihm in seiner Limousine durch Mos­kau gefahren, rechts und links wurden wir von etlichen Scharf­schützen begleitet, die Straßen waren plötzlich wie leer gefegt. Putin kann seine Macht sehr gut demonstrieren und hat dies natürlich auch getan.

Aber Putin kann privat auch anders sein, ich habe eine Partie Billard mit ihm in seiner Residenz gespielt und ihn na­türlich gewinnen lassen (lacht).

LALIŞ Dialog: Gibt es auch Nachteile bei deinem Beruf?

Ilhan Coskun: Klar gibt es auch Nachteile oder Dinge die einem nicht so gut gefallen. Ich kann z.B. nie richtig meinen All­tag planen. Man hat eben, weil man viel unterwegs ist, für Fa­milie und Freunde wenig bis gar keine Zeit. Die wenige Zeit die ich dann mal habe, versuche ich dann natürlich mit Familie und Freunden zu verbringen. Ist alles dann eine Sache der Organisation.

LALIŞ Dialog: Vorbilder sind für viele Menschen richtungsweisend, hast Du selbst auch Vorbilder?

Ilhan Coskun: Vorbilder habe ich auch, diese sind in erster Li­nie meine Eltern, weil ich ihnen viel zu verdanken habe.

Dann gibt es da einen sehr guten Freund, den ich schon viele Jahre kenne und der mir in beruflichen Fragen sehr gute Ratschläge gibt und unterstützt. Ihm habe ich übrigens meinen „Be­rufswunsch“ zu verdanken.

LALIŞ Dialog: Was hast Du dir für deine Zukunft noch vorgenommen, be­ruflich als auch privat.

Ilhan Coskun bei der Arbeit (privat)

Ilhan Coskun bei der Arbeit (privat)

Ilhan Coskun: Beruflich möchte ich auf jeden Fall noch einiges erreichen. Filme zu drehen wäre toll, ist aber natürlich eine ganz andere Liga im Gegensatz zum Tagesaktuellen Ge­schehen.

Privat möchte ich so wie wahrscheinlich jeder irgend­wann eine Familie gründen (lacht) und sesshaft werden.

LALIŞ Dialog: Was ist für dich das Besondere am Esidentum? Nenne uns Drei Dinge!

Ilhan Coskun: Zugegeben das ist keine einfache Fra­ge, aber mich fasziniert die Art und Weise wie unsere Religion über die Jahrtau­sende überliefert wurde.

Die Feste und Feiertage sind für mich auch immer was Besonderes, weil ich dann mit meiner Familie die Zeit genießen kann.

Demnächst erscheinen folgende Dokumentarfilme bei denen Ilhan als Kame­ramann tätig war: „Töten per Joystick“ ARD, „Ener­giewende“ ZDF/Arte und „Adel in Norddeutschland“ NDR.

LALIŞ Dialog wünscht Ilhan Coskun weiterhin viel Erfolg bei seinen privaten und beruf­lichen Wegen!

STECKBRIEF ILHAN COSKUN

Name: Ilhan Coskun
Alter: 23 Jahre
Größe: 1,76 m
Beruf: Kameramann
Ich mag an mir: meine offene Art
Ich mag an mir nicht: ich kann nicht „Nein“ sagen und bin manchmal ungeduldig
Lieblingsbuch: „Verbrechen“ von Ferdinand v. Schirach
Lieblingsfilme: Pulp Fiction, Fatih Akin Filme
Lieblingsmusik: Hip Hop und RnB
Meine größte Angst: dass meiner Familie etwas passiert
Mein größter Wunsch: beruflicher Aufstieg
Lebensmotto: Geht nicht funktioniert nicht, weiß nicht, will und kann nicht, gibt es nicht!

» von Tahlî Burunacik

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