Laliș-Dialog im Interview mit PD Dr. Șefik Tagay

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Das folgende Interview wurde von Hayrî Demir für Lalish-Dialog mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen e.V. (GEA) Herrn PD Dr. Șefik Tagay geführt.

LD: Herr Dr. Tagay, vielen Dank, dass Sie sich zu einem Interview in Ihrer Position als Vorsitzender der Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen e.V. bereit erklärt haben. Vielleicht stellen Sie sich unseren Lesern, die Sie noch nicht kennen, kurz vor.

PD Dr. Tagay:

1980 kam ich mit acht Jahren mit meiner Familie nach Deutschland. In dem kleinen Dorf Taxari in Siirt (Türkei) wurde ich geboren. 1999 schloss ich mit dem Diplom in Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum ab. Seit 2000 arbeite ich an der Universität Duisburg-Essen und leite in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie die Forschungsabteilung. 2005 schloss ich mit meiner Doktorarbeit zum Thema Traumatisierung und körperliche Beschwerden bei Psychosomatikpatienten ab. 2012 machte ich meine Habilitation für das Fach Psychotherapie und wurde zum Privatdozenten (PD) ernannt. Eine Habilitation ist die höchste wissenschaftliche Qualifikation an einer deutschen Universität. Meine wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte sind insbesondere die Psychotraumatologie, die Psychotherapie- und die Ressourcenforschung (Positive Psychologie). Darüber hinaus forsche ich auch zum Thema Essstörungen, Somatoforme Störungen und jetzt vor allem seit der Gründung der GEA leite ich mehrere wissenschaftliche Projekte über Eziden und das Ezidentum in der Diaspora und in Kurdistan. Neben der wissenschaftlichen Arbeit bin ich zusätzlich als Psychotherapeut und Gutachter tätig.

 

LD: Was bedeutet es für Sie ein Êzîde zu sein?

PD Dr. Tagay:

Sehr viel! Ich möchte nur ein paar bedeutsame Punkte hervorheben. Ein Ezide zu sein bedeutet für mich, vor allem sich dessen bewusst zu sein, dass meine Wurzeln im Ezidentum liegen, in einer Religion mit sehr starkem Bezug zur Natur, zum Frieden und zur Freiheit des Individuums. Ein Ezide zu sein bedeutet für mich, sich auch darüber bewusst zu sein, dass unsere Vorfahren und Ahnen sehr großes für ihre Nachfahren und das Ezidentum geleistet haben. In den letzten 4000 Jahren gab es unzählig viele Kriege im nahen Osten, in Mesopotamien, also dem Hauptsiedlungspunkt der Eziden. Die Eziden waren immer mitten drin. Sie haben überlebt!!! Das ist nicht selbstverständlich, wenn man sich die historischen Rahmenbedingungen genauer anschaut. Unsere Vorfahren haben unzählige Verfolgungen und Vertreibungen erleiden müssen. Und trotzdem ist das Ezidentum auch nach unzähligen Pogromen erhalten geblieben. Diese besondere Überlebensresilienz (Resilienz=Widerstandsfähigkeit), wie ich sie nenne, über die Jahrtausende beindruckt mich zutiefst. Ein Ezide zu sein bedeutet für mich auch, dass alle Menschen vor Gott gleich sind, keine Religion besser ist als die andere und dass jede Religion ihre eigene „Wahrheit“ in sich trägt. Es gibt nicht die eine „Wahrheit“. Es gibt „viele Wahrheiten“. Ein Ezide zu sein bedeutet für mich, mit  größter Offenheit, Toleranz und Menschlichkeit andere Religionsgemeinschaften zu begegnen. Ein Ezide zu sein bedeutet für mich verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen und die Mutter Erde in Dankbarkeit zu lieben und zu schützen. Ein Ezide zu sein bedeutet für mich auch sich seiner Verantwortung bewusst sein, die Kultur, die Werte, die Normen, die Traditionen und die Religion des Ezidentums mit Geist und Körper („Dil û Can“) zu pflegen, damit es überlebensfähig bleibt.

 

LD: Inwiefern richten Sie Ihr Leben nach dem êzîdîschen Glauben, d.h. was Feiertage angeht, die Fastentage etc.?

PD Dr. Tagay:

Selbstverständlich pflege ich wichtige Feiertage mit meiner Familie, wie z.B. Carsema Sor oder Ida Ezid. Die Pflege und Einhaltung der ezidischen Traditionen sind mir wichtig. Eine Weitergabe dieser Traditionen und Werte an unsere Kinder halte ich daher für sehr wichtig. Das schafft Identität, gibt Orientierung und Halt. Genauso wichtig finde ich es aber auch, die kritische Frage im Blick zu haben, was davon zeitgemäß ist und was nicht. Es ist mir wichtig, dass wir mit unseren kulturellen Werten, Normen und Traditionen auch auf der Höhe der Zeit sind und uns eventuell der Zeit auch anpassen, wenn dies zum Überleben notwendig erscheint, ohne die Kernelemente des Ezidentum in Frage zu stellen.

 

 

LD: Herr Dr. Tagay, Sie sind Vorsitzender der Gesellschaft Ezidischer AkademkerInnen e.V. Wie kam es zur Gründung und welche Ziele verfolgt die GEA vordergründig?

PD Dr. Tagay:

Im Oktober 2011 gab es in Düsseldorf ein erstes Gruppentreffen von ezidischen Akademikern aus allen Teilen Kurdistans. Bei diesem ersten Treffen waren wir uns schnell einig darüber, dass die Zeit gekommen ist, das große Potential der ezidischen Akademiker und Studenten weltweit zusammen zu bringen, damit die großen gesellschaftlichen Herausforderungen und aktuellen Probleme der Eziden besser bewältigt werden können. Es hatte in der Vergangenheit immer wieder Versuche in Deutschland aber auch in Kurdistan gegeben, ezidische Akademiker und Studenten zusammen zu bringen. Die Idee ist schon mindestens 30 Jahre alt. Mit der GEA Gründung wurde ein langersehnter Traum vieler ezidischer Akademiker endlich wahrgemacht. Die GEA verfolgt mehrere Ziele. Die GEA ist der Schirm der ezidischen Akademiker und Studierenden. Die GEA ist die akademische Intelligenz der Eziden. Die GEA steht für ein neues Bewusstsein, das von ezidischen Akademikern und Studierenden aus aller Welt getragen wird. Wir laden diese herzlich aus aller Welt ein, die große Vision das Ezidentum auch für die nächsten 100 Jahre überlebensfähig zu machen. Das können wir schaffen, wenn wir uns mit Respekt und Wertschätzung begegnen und für die Sache der Eziden gemeinsam unser Potential entfalten.

Historisch haben die Eziden wenige Einfluss darauf gehabt, was über sie geschrieben und studiert wurde. Es gibt viele Theorien über die Eziden und das Ezidentum. Vieles davon ist wissenschaftlich nicht haltbar. Es gibt Theorien, die soweit gehen, das Ezidentum sei angeblich eine Sekte des Islam, um nur eine absolut falsche Darstellung zu nennen. In der Diaspora haben wir heute das Potential, uns selbst wissenschaftlich mit unserer Geschichte, Religion und Kultur auseinanderzusetzen. Weltweit gibt es viel zu wenig Forschung über Eziden und das Ezidentum. Die GEA möchte dieses Defizit in den nächsten Jahren aufzeigen und systematisch mehr Forschung anstoßen.

In der GEA-Satzung sind die wesentlichen Ziele und Aufgaben definiert. Diese kann jeder auf unserer Webseite herunterladen: http://www.gea-ev.net/

Auf unserer GEA-Facebookseite berichten wir laufend über unsere Arbeit und Projekte:

https://de-de.facebook.com/gea.ev

Inzwischen hat die GEA auch einen eigenen YouTube Kanal:

http://www.youtube.com/watch?v=O_jQ0YjwrHk

Es gibt also verschiedene Wege, sich über die Arbeit der GEA zu informieren. Wir laden Interessierte herzlich zur Zusammenarbeit ein!

 

LD: Ist die GEA auch offen für Nicht-Akademiker?

PD Dr. Tagay:

In der GEA-Satzung ist klar formuliert, dass ezidische Akademiker (also Eziden mit einem Universitätsabschluss) und ezidische Studenten die formalen Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft erfüllen. In besonderen Fällen können auch Eziden ohne akademische Qualifikation sowie Nicht-Eziden Mitglied werden, wenn sie sich in besonderer Weise für die Sache der Eziden verdient gemacht haben. Der GEA-Vorstand entscheidet über die Aufnahme in solchen Fällen.

 

LD: Welchen Stellenwert messen Sie den êzîdîschen AkademikerInnen in Deutschland und speziell in der êzîdîschen Gemeinschaft zu?

PD Dr. Tagay:

Heute gehen wir davon aus, dass allein in Deutschland rund 80.000 Eziden leben. Nach Kurdistan lebt in Deutschland die größte ezidische Gemeinschaft in der Diaspora. Die GEA geht davon aus, dass wir mittlerweile mehrere hundert ezidische Studierende und Akademiker in Deutschland haben. Die größte akademische Intelligenz der Eziden in der Diaspora lebt also in Deutschland. Die große Herausforderung wird darin liegen, wie wir noch besser als bisher gemeinsam für die Sache der Eziden gemeinsame wissenschaftliche Projekte initiieren und umsetzen. Eziden müssen in aller Welt lernen, das Ezidentum ganz nach Vorne zu bringen. Das Ezidentum sollte nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Das ist für die Sache der Eziden nicht hilfreich und nicht zielführend. Das Ezidentum ist vom Aussterben bedroht. Umso wichtiger erscheint mir, die Frage, wie Eziden in aller Welt besser zusammenkommen und gemeinsam Hand in Hand, sich selbstbewusst repräsentieren.

 

LD: Ihr Verein besteht aus Mitgliedern, die aus den verschiedensten Ländern stammen. Macht das die Arbeit der GEA komplizierter oder sehen Sie gerade hierin die Chance der GEA?

PD Dr. Tagay:

Die Tatsache, dass die GEA erstmals in der Geschichte der Eziden Akademiker und Studenten aus allen Teilen Kurdistans zusammenbringt, birgt ein großes Potential, eine große Chance für die ezidische Gesellschaft und für die Zukunft der Eziden. In der Vergangenheit haben die Eziden aus den verschiedenen Teilen Kurdistans und Kaukasiens überwiegend für sich alleine gearbeitet. Vor diesem Hintergrund konnten die Eziden bisher wenig gemeinsame Projekte voranbringen und gemeinsam unter einem Dachverband die Eziden repräsentieren. Die GEA ist bestrebt das große Potential der ezidischen akademischen Intelligenz unter einen Dach zu bringen. Darin sehe ich die große Herausforderung und die große Chance. Das größte Hindernis ist aktuell die sprachliche Kommunikation. Aber wir befinden uns in einem interessanten Prozess. Die sprachlichen Hindernisse werden mit der Zeit geringer werden. Wichtig erscheint mir, dass wir hier in Deutschland die deutsche Sprache als Hauptkommunikationssprache benutzen. Wir leben hier in Deutschland und sollten daher zu aller erst die deutsche Sprache gut beherrschen. Das ist meine feste Überzeugung. Was nicht bedeutet, dass die Eziden ihre kurdische Muttersprache vernachlässigen sollen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich halte die kurdische Sprache für genauso wichtig. Aber wenn wir Eziden hier in Deutschland an der deutschen Gesellschaft teilhaben wollen, die deutsche Gesellschaft mitgestalten möchten, die Integration voranbringen möchten, dann sollten wir auch die deutsche Sprache gut beherrschen und darüber primär kommunizieren.

 

LD: In Deutschland gibt es zwei große êzîdîsche Dachverbände, zählt sich die GEA zu einem dieser Verbände oder ist sie unabhängig? Und wenn sie unabhängig ist, aus welchem Grund?

PD Dr. Tagay:

Die GEA ist politisch unabhängig und gehört keiner politischen Richtung an. Das ist auch explizit in unserer Satzung festgehalten. Das war uns von Anfang an bei der Gründung wichtig. Die GEA unterstützt jedoch jede ezidische Gemeinde und Organisation, die sich für das Wohl der Eziden und des Ezidentums engagiert und die Grundrechte nach dem deutschen Grundgesetz beachtet, pflegt und erfüllt.

 

LD: Wie steht die GEA dem êzîdîschen Kastensystem und den Heiratsregeln gegenüber?

PD Dr. Tagay:

Zu dieser Frage existieren innerhalb der GEA unterschiedliche Positionen und Haltungen. Die GEA ist erst ganz am Anfang ihrer Arbeit und durchläuft gerade einen wichtigen Prozess. Wir sollten aber die kritische Frage aufwerfen dürfen, wie wir überlebensfähig bleiben können. Die GEA beruht auf einem wissenschaftlichen Fundament. In Kurdistan hatten das Kastensystem und die Heiratsregeln über Jahrhunderte ihre Funktion. Zum Überleben waren diese Regeln sehr wahrscheinlich hilfreich, insbesondere in Zeiten der Islamisierung und der Kreuzzüge. Aber hier in Europa wird es immer schwieriger unsere Jugend von diesen Regeln zu überzeigen. Ezidische Kinder und Jugendliche verlieren zunehmend den Bezug zur ezidischen Religion. Sie erwarten Erklärungen, warum ein Ezide nur einen Eziden heiraten darf. Und warum eine Nicht-Ezide nicht zum Ezidentum konvertieren darf. In Kurdistan konnten unsere Großeltern und Vorfahren mit einfachen Erklärungen überzeugen. Hier in Europa können diese einfachen Erklärungen nicht mehr überzeugen. Ich denke, dass die Eziden gerade in der Diaspora vor wichtigen Reformen stehen. Reformen, die zum Überleben des Ezidentums beitragen könnten. Hier müssen alle ezidischen Gemeinden, Vereine, Organisationen, Mir Tashin Saed Beg und der Religiöse Rat (Meclisa Ruhani) zusammenkommen und den Prozess wichtiger Reformen einleiten. Die ezidische Gesellschaft in der Diaspora verlangt seit vielen Jahren nach Reformen und wünscht klare Antworten.

 

LD: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Aspekte, die die Êzîden in Deutschland zunächst angehen müssen?

PD Dr. Tagay:

Ich möchte nur einige Aspekte erwähnen, die mir besonders wichtig erscheinen:

  1. Aktuell sind wir mit vielen Herausforderungen und Problemen konfrontiert. Ich halte es für notwendig, dass die Eziden in Deutschland mit einer Stimme die Interessen aller Eziden vertreten sollten. So wie bei anderen Gemeinschaften auch. Also ein Verband statt zwei oder mehr Verbände. Für diesen Prozess kann die GEA eine tragende Rolle einnehmen. Es muss immer um das Wohl der Eziden gehen. Die GEA kann nicht die Aufgaben der ezidischen Gemeinden übernehmen. Umgekehrt können die Gemeinden nicht die Ziele und Aufgaben der GEA ersetzen. Beide Seiten sollten voneinander profitieren und sich gegenseitig ersetzen.
  2. Der Brautpreis ist weiterhin ein großes Problem in der ezidischen Gesellschaft. Seit vielen Jahren boykottiere ich jede Verlobungsfeier, auf der ich eingeladen werde. Der Brautpreis gehört ganz abgeschafft, ohne Wenn und Aber! Gerade die ezidischen Akademiker und Studenten sollten hier vorbildlich den Brautpreis in aller Konsequenz ablehnen.
  3. Die ezidische Jugend macht mir große Sorgen. Ich beobachte zunehmend einen Verlust der ezidischen Identität. Viele ezidische Kinder der zweiten und dritten Generation haben kaum einen Bezug zur ezidischen Religion, Kultur und Tradition. Vor allem Kinder und Jugendliche, die hier in Deutschland geboren wurden, beherrschen kaum die kurdische Sprache. Oft können sie sich nicht mit ihren Eltern und Großeltern in Kurdisch ausreichend verständigen. Die Folgen sind vielfältig und gravierend.
  4. Um unsere älteren Eziden mache ich mir auch große Sorgen. Sie sind oft in der Fremde allein gelassen. Sie leiden unter einem starken Autoritätsverlust und großer Einsamkeit. Sie leben in großer Abhängigkeit zu ihren Kindern, da sie die deutsche Sprache nur sehr schlecht sprechen, sind sie fast immer auf die Hilfe ihrer Kinder und Verwandten angewiesen.
  5. Leider ist das Image der Eziden durch diverse negative Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier ist es notwendig, dass alle ezidischen Gemeinden, Einrichtungen und Persönlichkeiten an einer Imagepflege arbeiten. Eine bundesweite Imagekampagne wie z.B. während „Ida Ezid“ können die Eziden zu Ehren Ihrer Verstorbenen Essen an bedürftige Menschen (Obdachlosen Asyl usw.) verteilen.

 

 

LD: Vor wenigen Wochen hat vor allem Nedîm Erkiș versucht, Boden und Land seiner Eltern in der Türkei zurückzugewinnen und damit vor türkischem Gericht einen Etappensieg errungen. Glauben Sie an eine Rückkehr der Êzîden in die Türkei?

PD Dr. Tagay:

Ich kann es mir nicht vorstellen, dass die Eziden, die schon einige Jahrzehnte hier leben, dass die für immer zurückkehren. Vielleicht kehren am ehesten die älteren Eziden zurück. Eine Rückkehr wird auch davon abhängen, wie viel Freiheit Eziden in der Türkei tatsächlich haben. Die Grundvoraussetzung sind die Grundrechte auf Meinungs- und Religionsfreiheit. Diese beiden Grundrechte sind in der Türkei für die Eziden aktuell nicht erfüllt. Ich hoffe daher auf den weiteren Demokratisierungsprozess in der Türkei. Der religiöse Minderheitenschutz, insbesondere das der Eziden, muss in der Türkei in den kommenden Jahren systematisch vorangetrieben werden.  Hier sind wieder die Eziden selber gefragt. Niemand wird die Rechte der Eziden in der Türkei in der Verfassung verankern, wenn die Eziden nicht selber dafür Sorge tragen.

 

 

LD: Wo sehen Sie die êzîdîsche Religion in 20 Jahren?

PD Dr. Tagay:

Eine Religion hat keine Überlebenschance, wenn ihre Mitglieder diese nicht pflegen und sich damit nicht identifizieren. In Deutschland erwarte ich in 20 Jahren einen Verbund, der für alle Eziden spricht.

In 20 Jahren werden wir weit mehr ezidische Theologen und Historiker haben. Diese brauchen wir unbedingt!

In 20 Jahren haben, so meine große Hoffnung, die Eziden in Kurdistan einen festen Platz, in der sie in Freiheit und Sicherheit ihre Religion, ihre Kultur und ihre Traditionen leben können. Eziden nehmen in Kurdistan eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein.

Ich erwarte in 20 Jahren noch mehr Bildung und noch mehr akademische Intelligenz in der ezidischen Gesellschaft.

Das Motto der GEA lautet: „Für ein freies ezidisches Bewusstsein.“  Meine große Hoffnung ist, dass in allen Ebenen der ezidischen Gesellschaft ein ezidisches Bewusstsein wächst, das mit einer größeren ezidischen Identität und einem größeren ezidischen Selbstbewusstsein verbunden ist. Lassen Sie uns alle gemeinsam an diesem ezidischen Bewusstsein arbeiten, damit unsere Nachfahren es mit Stolz tragen.

 

LD: Vielen Dank Herr Dr. Tagay, wir wünschen Ihnen und der GEA für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.

PD Dr. Tagay:

Ich danke Lalish Dialog und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

 

1 Response for “Laliș-Dialog im Interview mit PD Dr. Șefik Tagay”

  1. anonym sagt:

    Respekt an Herrn Tagay! Das er sich für das Yezidentum einsetzt.
    Endlich macht sich auch mal ein Intelligenter Gedanken über das Kastensystem in der heutzigen Zeit. Damals mag es wohl noch sinnvoll gewesen sein, doch jetzt? Na ja…
    DANKE Herr Tagay! Dank Ihnen hat das Yezidentum eine Chance weiterzuleben.

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