Die Vergangenheit hat wieder eine Zukunft

K1600_Slider1-001Laliş soll mit irakischem Regierungsgeld restauriert und modernisiert werden

Von: Holger Geisler

Endlich ist es soweit! Nach Informationen die dem Lalish- Dialog vorliegen soll die Restaurierung im Mai diesen Jahres beginnen. Zuvor war ein internationales Ausschreibungsverfahren durchgeführt worden. Anscheinend hat ein Unternehmen aus Leipzig den Zuschlag erhalten. Rund 17 Millionen Euro sollen in den Erhalt und die Wiederherstellung des Heiligtums fließen. Damit endet eine mehr als einjährige Wartezeit, nachdem die Pläne für die Arbeiten am 19. Februar 2012 in Deutschland vorgestellt worden waren. Es war damals ein ganz besonderer Termin im Yezidischen Forum in der Oldenburger Eidechsenstraße. Einige der Besucher, die ansonsten durchaus erfolgreich im Berufsleben stehen, waren angesichts der anstehenden Präsentation aufgeregt wie kleine Kinder an ihrem Geburtstag. Doch, das war durchaus verständlich. Schließlich präsentierte das Ingenieurbüro Vössing aus Erfurt den Masterplan zur Renovierung und Neugestaltung der Tempelanlage von Lalish. Und obwohl das Heiligtum der Yeziden im Irak, rund 60 km nördlich von Mosul, liegt, wurde der Masterplan zuerst in Deutschland vorgestellt. Zweifelsohne eine besondere Ehre für die hier lebenden Yeziden die das religiöse Zentrum und ihr Oberhaupt seit Jahren intensiv unterstützen.

Die Bedeutung dieser Tempelanlage für die yezidische Religion ist so groß das man es sich kaum vorstellen kann. Alle Weltreligionen verfügen über diverse Heiligtümer an verschiedenen Orten. Der yezidische Glaube, obwohl mehr als 4000 Jahre alt, hat, nur Lalish. Hier hat ihr großer Reformator Sheikh Adi seine letzte Ruhe gefunden, hier liegen die Gebeine von mehr als 150 Heiligen. Die beindruckende Tempelanlage mit ihren prägnanten Kegeltürmen liegt in der Nähe von Mossul und ist vorsichtig geschätzt über 2000 Jahre alt. Dass die Anlage trotz scheußlicher Pogrome, unvorstellbare Gräueltaten und Verfolgung über mehrere Jahrhunderte überhaupt noch in dieser Qualität steht, grenzt schon an ein Wunder, doch natürlich hat der Zahn der Zeit auch an Lalish genagt. Zudem wurden auch dort, ähnlich wie in der DDR und der BRD in den 60er und 70er Jahren schlimme Bausünden begangen. Beton ersetzte historische Gemäuer und etliche Anbauten waren vielleicht praktisch, passten aber ganz sicher nicht ins architektonische Bild.

Vor einigen Jahren hat sich die Regionalregierung im Nordirak durchgerungen erhebliche Finanzmittel zur Restaurierung der Anlage und zur Verbesserung der Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Vorab wurde dafür ein Masterplan benötigt. Den Auftrag hierzu erhielt das Erfurter Ingenieurbüro Vössing und für die hierfür geleistete Arbeit gebührt ihnen größter Respekt. Ihre Vision gliedert sich in drei Bereiche. Dem architektonischen Konzept, dem Restaurierungskonzept und dem Konzept zur Verbesserung der Infrastruktur. Nach ihren Plänen soll die Anlage größtmöglich in den Originalzustand versetzt werden. Darüber hinaus soll es dringend benötigte Neubauten geben. So ist ein Kloster geplant, in das eine Religionsschule integriert werden soll, um die Ausbildung der Geistlichen zu professionalisieren. Auch ein Hotel, das zudem über ein Tagungs- und Kongresszentrum beherbergen soll, ist geplant. Damit wird dem steigenden Bedarf nach Übernachtungsmöglichkeiten Rechnung getragen, aber auch der Grundstein für behutsamen Kulturtourismus und Forschungsmöglichkeiten für Religionswissenschaftler und Archäologen aus aller Welt gelegt.

Der yezidische Glaube gibt noch viele Rätsel auf, die durchaus auch Überraschungen für sämtliche Weltreligionen bergen kann. Auch die Wohnsituation der dort lebenden und arbeitenden Menschen soll verbessert werden. Die Zuwegung und die Parkplatzsituation, weit genug vom Heiligtum entfernt spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Weitere wichtige Aspekte, die im Mittelpunkt standen, war die sanitäre Situation sowie die Wasserver- und Entsorgung. An den Feiertagen pilgern weit über 20.000 Menschen nach Lalish. Auch der Zugang zu den beiden heiligen Quellen Kanya Zim Zim und Kanya Sipi soll vereinfacht werden.

Am Ende waren die Besucher und auch die fachkundigen Gäste von der Präsentation begeistert. Es zeigte sich, dass die Entscheidung eine Firma zu beauftragen die sich sowohl in der Denkmalpflege als auch im Erstellen von Masterpläner Erfahrung hat absolut richtig war. Zudem war es ein großer Vorteil, dass das Erfurter Unternehmen seit mehreren Jahren im Irak aktiv ist und sich auf die dortigen Gegebenheiten bestens einstellen konnte. Durch die Mitarbeit von yezidischen Bauexperten aber auch gerade der Religionsverantwortlichen ist so eine Idee entstanden, die eigentlich 1:1 umgesetzt werden kann.

Das weltliche Oberhaupt der Yeziden Mir Tahsin Saied Beg und der religiöse Führer Baba Sheikh sind von den Plänen jedenfalls begeistert. Und auch der Vorsitzende des Zentralrates der Yeziden in Deutschland Telim Tolan zollte den Planern höchste Anerkennung. „Das, was hier in Oldenburg vorgestellt worden ist, bedeutet einen Meilenstein für unser Heiligtum. Jetzt gilt es, sich an die Umsetzung zu machen“. Dass die irakische Regionalregierung hierfür scheinbar schon einen hohen zweistelligen Millionen Euro Betrag bereitgestellt hat zeigt die Bedeutung. In hoffentlich naher Zukunft wird die Ursprungsreligion aller Kurden damit wieder eine Heimat haben, die der Bedeutung dieses Glaubens auch wirklich gerecht wird.

1 Response for “Die Vergangenheit hat wieder eine Zukunft”

  1. heike makus-ohlendorf sagt:

    toll, dass lalish restauriert wid. es ist ein weltkulturerbe hede

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