Die Bestattung bei den Esiden

Esidischer Friedhof in der Heimat

Esidischer Friedhof in der Heimat

Die Bestattung der Esi­den wird, wie in den mei­sten Religionen, nach strengen Regeln durchge­führt. Die Waschung des verstorbenen erfolgt in einer vorgegebenen Zere­monie, bei der der Pîr, der Sheikh und der Birayê/ Xweha Axretê (dt. Jen­seitsbruder/schwester) zugegen sind.

Der Sarg wird grundsätz­lich so eingelassen, dass das Gesicht des Verstor­benen der Sonne zuge­wandt ist. Der Sarg wird hierbei für Frauen tiefer eingelassen als für Män­ner. Die Verstorbenen tra­gen weiße, speziell zuge­schnittene Kleidung. Die Augen und der Mund des verstorbenen werden mit Berat belegt, der heiligen Erde aus dem Heiligtum Laliş. Diese Erde wird zu­meist zu kleinen Kugeln geformt. Zum Abschluss wird eine Grabplatte auf das Grab gelegt. Verstor­bene Männer erhalten zwei Grabsteine, im Kopf-und Fußbereich, Frauen hingegen nur einen Grab­stein im Kopfbereich.

Nach esidischem Glau­ben ist der Körper gott­gegeben und bleibt stets sein Eigentum (Amanetê Xwedê). Daher gibt es keine Einäscherungen bei den Esiden.

Nach esidischem Glau­ben versucht der Verstor­bene nach Beendigung der Trauerfeier, den Men­schen die die Grabstelle verlassen zu folgen. Da­bei stößt sein Kopf an eine Steinplatte und erst in die­sem Augenblick erkennt er, dass er nicht mehr zu den Lebenden gehört.

In der Vergangenheit haben die Esiden ihre Verstorbenen in die alte Heimat überführt und dort beigesetzt. Der Grund hierfür ist, dass esidische Gräber nicht ausgehoben werden dürfen, wie es in Deutschland praktiziert wird.

Doch mit der Errichtung esidischer Friedhöfe in Deutschland bleibt die doch sehr umständige und kostspielige Überführung erspart. Bisher existieren leider nur wenige esidische Friedhöfe, weshalb die Meisten ihre Verstorbenen noch in die Heimat über­führen.

» Holger Geisler

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