Der Mîr – das weltliche Oberhaupt der Esiden

Mîr Alî Beg (mitte), Großvater von Mîr Thasîn Beg Foto| Gertruda Bell

Mîr Alî Beg (mitte), Großvater von Mîr Thasîn Beg Foto| Gertruda Bell

Der Mîr ist das weltliche Oberhaupt der Esiden. Die In­stitution des Mîr ist die höchste Autorität innerhalb der esidi­schen Gemeinschaft, dessen Beschlüsse für alle Esiden verbindlich sind. Der derzeit amtierende Mîr ist Mîr Thasîn Beg.

Die Familie des Mîr gehört der Sheikh-Gruppe der Qatanî, genauer der Familie der Nach­fahren von Şêxûbekir an. Nur Angehörige dieses Stamms sind derzeit befugt, die Würde des Mîr zu erlangen. Dies hat historische Gründe.

Die Quelle des Begriffs Mîr kann auf bis 5.350 Jahre v.Chr. auf die Indoarische Sprache zurückgeführt werden.

Laut Pîr Xidirê Silêman ist das Wort „Mîr“ eine altkurdische Bezeichnung für Sonne. Hier ist anzuführen, dass der Lin­guist Beghyani Shadi Sharin[9] die Quelle des kurdischen Be­griffs Mîr auf den Sonnengott Mit(h)ra zurückführt.

Der Mîr besitzt innerhalb der esidischen Gesellschaft eine Herrschaftsfunktion. Sie umfasst die Vollmacht für po­litisches Handeln nach außen und die Entscheidung über religiöse Gebote und Verbote nach innen. Bei Konflikten zwi­schen esidischen Stämmen schreitet er als Vermittler ein. Weiterhin ernennt und entlässt er das religiöse Oberhaupt der Esiden, den Baba Sheikh. Der Mîr ist somit für politische als auch für religiöse Fragen und Angelegenheiten die ent­scheidende Instanz. Der Bavê Şêx und/oder auch Extîyarê Mergehê fungiert dabei als wesentlicher Berater in reli­giösen Fragen. Auch die Mit­gliedschaft im Religiösen Rat bedarf seiner Zustimmungen.

Das Aufsuchen der Esiden mit der heiligen Tawis-Stan­darte bedarf seiner Zustim­mung. Weiterhin ist der Mîr für die Aufrechterhaltung und Mo­dernisierung des Zentralheilig­tums Lalisch zuständig, wofür er die Abgaben der Esiden (Fito) aufwendet.

Der Mîr steht in der Pflicht, allen hilfsbedürftigen Esiden jede mögliche Hilfeleistung entgegen zu bringen[.

Trotz seines hohen Ranges sind die Fünf Grundpflichten auch für den Mîr eine Ver­pflichtung. So muss auch er sich wie alle Esiden an die Ge-und Verbote der esidischen Religion halten.

»Êzîpedia

Mîr Tahsîn Seîd Alî Beg ist das weltiche Oberhaupt der Esiden und damit Fürst von Shekhan-Kurdistan. Er stammt aus der Qatanî-Gruppe der Sheikhs ab und ist ein Nach­komme des heiligen Sheikhu­bekir. Das Amt hat er seit 1944 inne und ist auch zugleich Voristzender des esidischen Rates (Civata ruhanî). Seine Residenz befindet sich in der Stadt Baadre/Irak.

» Hayrî Demir

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